Geschichten aus der
Backskiste
Juli / August 2010 – Aus meinem Tagebuch „Passenger auf dem Feederschiff
Passage Kalmarsund - Samstag 28.11.2009
Oskarshamn - letzte Station in Schweden. Pünktlich um 7:00 Uhr legen wir an. Acht Container werden umgeladen und 37 Container kommen noch an Bord. 11:00 Uhr legen wir ab. Mit 3200 t Ladung an treten wir die Heimreise an. Dabei lacht der Kapitän. Die Passage Kalmarsund bei Sonnenschein, das kommt hier nur ein Mal im Monat vor. Wie schön kann doch der November sein!
Ich bin auf die Bücke. Das erste Mal erlebe ich eine Lotsenabgabe bei Tageslicht. Ich kann filmen. Ich habe das gute Wetter mit an Bord gebracht. Bastian filmt mich auf der „Lümmelbank“. „Sonst glaubt ihm das zu Hause keiner!“, sagt er dabei zum Kapitän.
Zum Mittagessen gehe ich nach unten in die Messe. Es gibt den angekündigten Eintopf, dazu heiße Wiener Würstchen. Als Beilage hat Evgeni Buchteln und wohlschmeckende Piroggen mit Kartoffelfüllung gebacken. Sogar der Kapitän lobt in höchsten Tönen. Vielleicht sollte öfters mal der Proviant knapp sein. Evgeni ist sehr erfinderisch.
Um 12.00 Uhr gehe ich wieder auf die Brücke, melde mich beim 2and an. Er bewundert meinen Camcorder und stellt mir viele Fragen. Darauf war ich nicht vorbereitet. Mein Englisch reicht nicht aus. Mir rutschen ein paar russische Wörter heraus. Das hätte ich lieber nicht tun sollen. Jetzt will er wissen, wann und wo ich russisch gelernt habe. „In der Schule...“, aber das ist ja so lange her! Und vor Schreck fallen mir einfach keine passenden Worte ein, weder auf englisch noch auf russisch. Ich schäme mich! Ich glaube, das merkt auch der Steuermann. Er schmunzelt.
Gegen 13:30 Uhr bestellt der 2and über Funk den Lotsen von Kalmarsund. Wir benötigen ihn für die Passage der Öland-Brücke. Sie verbindet die Insel mit dem Festland. Die Brücke ist am Horizont voraus schon gut zu sehen.
14:00 Uhr – der Lotse ist an Bord. Der Kapitän ist bei jedem See-Zwangsweg mit auf der Brücke. Und immer erzählt er mir von den Besonderheiten der jeweiligen Passage, hier von der Stadt Kalmar. Die Stadt besitzt einige sehr beeindruckende Gebäude. Über das Fernglas bestaune ich die alte Festung.
14.30 Uhr – der Lotse geht von Bord. Ich melde mich ab und gehe zur Mittagsruhe. Ich kann mein Tagebuch schreiben und etwas Schlaf nachholen
Abendessen: Hackauflauf mit Kartoffelbrei
Ich habe der Crew eine Video-CD von meiner Seefahrt mit nach unten gebracht. Die Seeleute stürzen an den DVD-Player, so als ob sie nur auf so eine Abwechslung gewartet hätten.
Mein Koch klagt, dass er wenig Freizeit hat. Er muss für morgen Kuchen backen. Das dauert drei Stunden. Dabei zeigt er traurig auf seinen riesigen Topf mit dem vorbereiteten Teig.
Übrigens das deutsche Wort „Malzeit“ kann hier jeder! Verwendet wird es fast immer, egal, ob zum Frühstück, Mittagessen oder Abendbrot! Mit russischem Akzent und immer einem Lächeln im Gesicht eine phantastische Geste an Bord! Allem voran - Bootsmann Sergej!
Schiffspassage vermittelt von der Frachtschiff-Touristik Kapitän Zylmann GmbH
Passage 0052-O Hamburg - Mälarensee in Schweden vom 23.11. bis 01.12.2009
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Geschichten aus der Backskiste - Ein ehemaliger
DSR-Seemann erinnert sich
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Jochen Müller fuhr von 1977 bis 1982 bei der Deutfracht / Seereederei Rostock zunächst als Lehrling auf MS J.-G. FICHTE, dann als Maschinenassistent auf MS GÖRLITZ / MS GRÖDITZ und auf MS PREMNITZ (Typ Baltic) zur See. Seine Erinnerungen in der Form kurzer Storys aus seinem Seemannsleben werden in diesem Band aus der Reihe „Seemannsschicksale“ vorgestellt.
Jochen Müller erzählt von unglaublichen Episoden, Seemannsgarn und Außergewöhnlichem aus seiner Fahrzeit.
Sein noch als Chief fahrender Freund Jens-Uwe Leubner, gibt zum Schluss noch einen kurzen interessanten Einblick in die heutige moderne Seefahrt.
Episoden und Bilder aus vier Broschüren der Backskiste neu zusammengestellt.
Band 23 in der gelben Buchreihe "Zeitzeugen des Alltags" herausgegeben von Jürgen Ruszkowski
Kartoneinband - mit Anhängen des Herausgebers 177 Seiten - Preis 12 Euro -
ISBN 3-937413-10
Direktbezug bei:
Jürgen Ruszkowski, Nagelshof 25, 22559 Hamburg
Telefon: 040-18 09 09 48
(am Besten vormittags bzw. abends nach 17 Uhr)
Fax: 040-18 09 09 54
E-Mail:
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